Archäologen suchen die Grabstätte des ersten
christlichen Märtyrers
in Grossbritannien.
Etwa im Jahr 209 n. Chr. wurde in Britannien der Soldat Albanus, der sich erst kurz zuvor hatte taufen lassen, hingerichtet. Er hatte einem christlichen Priester zur Flucht vor den Römern verholfen, eine Tat, die zur Zeit des antichristlichen Kaisers Septimus Severus als ein schweres Verbrechen geahndet wurde. Albanus wurde somit zum ersten namentlich bekannten christlichen Märtyrer auf den Britischen Inseln. Viele Pilger, auch aus dem Ausland, besuchten seine letzte Ruhestädte. 429 brachte der Bischof von Auxerre, Germanus, Erde vom Grab des Albanus nach Gallien, von wo aus sich die Verehrung des Heiligen auch über Mitteleuropa ausbreitete. In Deutschland hat sie sich unter anderem in Weinlagen erhalten, wie zum Beispiel dem Mainzer Sankt Alban.
Heute ist der genaue Ort des Grabes nicht mehr bekannt. Archäologen
vermuten es unweit der Römersiedlung Verulamium, in deren Nähe
die heutige Stadt St. Albans entstanden ist. Da häufig Kirchen über
den Gräbern von Heiligen gebaut wurden, zog man diese Möglichkeit
auch im Fall der normannischen Kathedrale von St. Albans in Betracht. Vielleicht
hatten aber die Erbauer der Kathedrale und ihrer Vorläufer den Bauplatz
nur aufgrund des weithin sichtbaren Hügels gewählt, und die Gebeine
des Märtyrers, die heute verloren sind, dorthin überführt.
Um diese Frage beantworten zu können, versuchen Wissenschaftler die
Ausdehnung des römischen Gräberfelds festzustellen. Falls sich
herausfinden lässt, wie weit sich die Anlage zu Beginn des 3. Jahrhunderts
ausgedehnt hatte, wäre man der Lokalisierung zumindest des Bereichs,
in dem das gesuchte Grab liegen muss, einen Schritt näher.
Englische Archäologen untersuchen zu diesem Zweck seit 1995 den Bereich des Querschiffs der Kathedrale. Dabei förderten sie zahlreiche mittelalterliche Gräber zutage. Anfang August 95 stiessen sie unmittelbar an einer Mauer auf die Bruchstücke eines Grabes, dessen Typus dem der spätrömischen Zeit Britanniens am Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. entspricht. Das bedeutet, dass das römische Gräberfeld den Bereich des späteren Kathedralhügels erst fast 200 Jahre nach der Hinrichtung des Albanus erreichte. Also muss das Grab des Märtyrers weiter südlich, in einer Senke zwischen der alten Römersiedlung und der heutigen Kathedrale, gesucht werden. Ein solches archäologisches Unternehmen ist jedoch teuer, und es ist fraglich, wann für die weitere Suche nach dem Grab des heiligen Albanus wieder Gelder zur Vergnügung stehen werden.